Schneller zum Ballermann

Die Bauarbeiten für den neuen Regionalflughafen Kassel-Calden sind in vollem Gang. Zurzeit werden fünf Millionen Kubikmeter Erde bewegt, um einen Höhenunterschied von 26 Metern auszugleichen. An der einen Seite des neuen Flughafens tragen Baumaschinen 10 Meter Erde ab, um sie an der anderen Seite wieder aufzuschütten. Jeden Tag werden 3200 Lastwagenladungen Erde transportiert, um die 2,5 Kilometer lange Startbahn zu vollenden. Damit ist Kassel-Calden die größte Baustelle Europas.

Die bebaute Fläche beträgt 220 Hektar, das entspricht einer Größe von 200 Fußballfeldern. Die Kosten belaufen sich nach heutigem Stand auf 225 Millionen Euro. Darüber hinaus sind mehrere Gewerbegebiete geplant.

 

Der Ausbau des Regionalflughafens kommt einem Neubau gleich, da umfangreiche neue Flächen beansprucht werden. Die alte Startbahn wird renaturiert. Über die Notwendigkeit des Projektes wurde jahrelang hitzig debattiert. Die Befürworter sehen durch die zusätzliche Verkehrsanbindung und die erwartete Ansiedlung neuer Unternehmen den Wirtschaftsstandort Kassel gestärkt. Die Gegner verweisen darauf, dass der Flughafen über keinen Gleisanschluss verfüge, der für den Frachtverkehr

zwingend erforderlich sei. Außerdem sei die 2,5  Kilometer lange Startbahn für Frachtmaschinen zu kurz. Mit den gut erreichbaren Flughäfen in Hannover, Frankfurt und Paderborn/Lippstadt stünden für Reisende brauchbare Alternativen zur Verfügung. Nicht zuletzt falle ins Gewicht, dass die gesamte Infrastruktur wertvollen Ackerboden versiegele.

Die neue Startbahn in Kassel-Calden hat eine Änderung der An- und Abflugstrecken der Flugzeuge zur Folge. Unmittelbar betroffen ist die niedersächsische Stadt Hann Münden und deren Umgebung. Dort hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die die Bürger vor allem in den Abend- und Nachtstunden vor unnötigem Fluglärm schützen will.

Der Niedersächsische Landtag hat die Landesregierung in einer Entschließung aufgefordert, die Menschen in Südniedersachsen vor Fluglärm durch den Regionalflughafen Kassel-Calden zu schützen. CDU und FDP stimmten für die von beiden Fraktionen beantragte Resolution, die Fraktionen von SPD, GrünInnen und Linke enthielten sich der Stimme.

Nichtsdestotrotz hält die hessische Landesregierung an ihrer Auffassung von der Stärkung Kassels durch den Bau des Regionalflughafens fest. Warum für diese Stärkung eine 2,5 Kilometer lange Startbahn ohne Gleisanschluss ausreicht, während Frachtmaschinen eine 4 Kilometer lange benötigen, enthüllte jetzt der Flughafen-Chef Jörg Ries. Die Reise soll nach Mallorca und in die Türkei gehen. Auf den Parkplätzen des Paderborner Flughafens stünden zu viele Autos mit Kasseler Kennzeichen. Diesem Umstand müsse abgeholfen werden. Auf diese Klientel will man sich in Kassel konzentrieren.

Um schneller zum Ballermann zu kommen, werden eben mal 225 Millionen ausgegeben, 220 Hektar Ackerboden zubetoniert und die Bewohner Südniedersachsens auf Dauer mit Fluglärm gequält. Es ist fraglich, ob mit dieser Zielsetzung in Kassel-Calden jemals schwarze Zahlen geschrieben werden. Unzweifelhaft aber ist, dass viele etablierte Politiker immer noch tief in dem aus der Nachkriegszeit stammenden Glauben verwurzelt sind, der Ausbau von Verkehrsprojekten fördere das Wirtschaftswachstum.

 

  Zum Seitenanfang                             Druckversion